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Werden Arzneistoffe erstmalig zugelassen, besteht für viele Jahre ein Patentschutz, so dass das entsprechende Medikament einzig und allein von einer Firma hergestellt und vertrieben werden darf. Mit Ablauf des Patents treten dann meist sogenannte Generikafirmen in Erscheinung, die den Arzneistoff ebenfalls anbieten dürfen. Dabei müssen sie in klinischen Studien die absolute Äquivalenz (Gleichwertigkeit) zum Originalpräparat nachweisen.

In den letzten Jahren sind im Bereich der antiretroviralen Medikamente zahlreiche generische HIV Präparate zugelassen worden. Da für Generikafirmen keine hohen Forschungs- und Entwicklungskosten anfallen, ist es möglich das Arzneimittel mit gleicher pharmazeutischer Qualität, aber zu einem wesentlich günstigeren Preis in Verkehr zu bringen.

Der offensichtlichste Unterschied für den Patienten sind jedoch Abweichungen in Namen und Optik. So sehen die gewohnten Packungen bzw. Tabletten plötzlich anders aus und tragen alternative Namen, weil der Produktname des Originalanbieters weiterhin geschützt bleibt. In der Regel wird bei der Namensgebung des generischen Präparates die Bezeichnung des Arzneistoffes mit dem Firmennamen kombiniert. Manchmal wechseln die Krankenkassen die Rabattvertragspartner, so dass sich Name und Optik eines bekannten Arzneimittels mehrfach ändern kann.

So auch im Falle des bewährten Proteasehemmers Darunavir (z.B. Darunavir Hexal). Dieser steht seit kurzem als Generikum zur Verfügung und hat bereits Zugang zu diversen Rabattverträgen der gesetzlichen Krankenkasse gefunden. Alle Wirkstärken (400, 600, 800mg) sind hierbei vertreten. Als neue Besonderheit gibt es das Generikum Darunavir 600mg ab sofort auch mit 180 Stück als Quartalspackung, so dass bei gesetzlich Versicherten statt wie bisher 3 mal 10€ Zuzahlung nur 1 mal 10€ Zuzahlung geleistet werden muss.


Als Patient sollte man wissen, dass die gesetzlichen Krankenkassen oft exklusive Rabattverträge mit bestimmten Pharmafirmen schließen, was zur Folge hat, dass in der Apotheke ausschließlich solche Firmen auf eine Verordnung beliefert werden dürfen. Verhindert werden kann der Austausch durch ein vertraglich vorgeschriebenes Generikum mit dem sogenannten „aut-idem-Kreuz“ durch den Arzt (z.B. bei triftigen medizinischen Gründen, Unverträglichkeiten, schlechte Compliance). In Ausnahmefällen darf auch die Apotheke „pharmazeutische Bedenken“ äußern.

Grundsätzlich ist der allgemeine Austausch durch Generika durch gleichbleibende pharmazeutische Qualität unbedenklich und führt seit vielen Jahrzehnten zu einer deutlichen Kostenersparnis im Gesundheitswesen.

Falls Sie Fragen zu dem Thema Generika und Rabattverträge haben, so sprechen Sie uns gerne in der Birken-Apotheke an.

Quelle:  ViroLetter  1/2019 „Darunavir jetzt von Hexal verfügbar“ / eigene Daten

Der Wirkstoff Doravirin ist ein neuer NNRTI (Nicht-nukleosidischer Reverse Transkriptase Inhibitor) mit Vorteilen gegenüber den Vorgängern der ersten Generation wie z.B. Rilpivirin (oder auch Etravirin, Nevirapin oder Efavirenz): die einmal tägliche Einnahme ist nicht mehr an Mahlzeiten gebunden; darüber hinaus wirkt Doravirin auch gegen HI-Viren, die bereits Resistenzen gegenüber NNRTI der ersten Generation entwickelt haben. Zu bemerken ist ebenfalls, dass es, im Gegensatz zu anderen Arzneimitteln der Klasse, keine Anwendungsbeschränkungen bezogen auf die Viruslast gibt.

Die Zulassung des neuen Wirkstoffes in der Europäischen Union erfolgte Ende November. Seit dem stehen die Medikamente Pifeltro® (100 mg Doravirin) als Monopräparat und die Dreifachkombination Delstrigo® (100 mg Doravirin, 300 mg Lamivudin und 245 mg Tenofovirdisoproxil) des Herstellers MSD zur Verfügung.

Quelle:  Projekt Information e.V. Januar/Februar 2019

Die DAK übernimmt als erste gesetzliche Krankenkasse in Deutschland die Kosten für die HIV-Präexpositionsprophylaxe, kurz PrEP, als freiwillige Satzungsleistung. Dies beschloss die DAK bereits Ende 2018; das Bundesverwaltungsamt erteilte nun am 06. Februar die Genehmigung dazu.

„Die DAK-Gesundheit ist die erste große Kasse, die jetzt agiert und ihren Versicherten die sogenannte PrEP ermöglicht“, sagte eine DAK Unternehmenssprecherin. Die DAK wolle „neue Wege gehen“, weil die Zahl der Neuinfizierten trotz vielfältigen Bemühungen nicht zurückgehe. „Durch die PrEP wird der Einzelne vor einer HIV-Infektion bewahrt und unsere Versichertengemeinschaft vor den damit verbundenen Folgekosten“, erklärte Dieter Schröder, Vorsitzender des DAK-Verwaltungsrats. Nach Angaben der DAK kostet die PrEP pro Jahr 800€, eine HIV-Therapie im Schnitt 20.000€.

Die DAK folgt damit der Forderung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der die Krankenkassen im Sommer 2018 aufforderte die Kosten für die PrEP zu übernehmen. Ein entsprechender Entwurf des sogenannten Termin- und Versorgungsgesetzes soll in Zukunft dafür sorgen, dass gesetzlich krankenversicherte mit substanziellen HIV-Infektionsrisiko einen Anspruch auf die PrEP haben; und darüber hinaus die erforderliche ärztliche Beratung und Untersuchung von den Krankenkassen erstattet werden.

Die DAK erstattet im Detail bis zu 200€ im Quartal abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung, höchstens jedoch die tatsächlich entstandenen Kosten. Als Vorrausetzungen gelten Vorgaben. Der Versicherte muss mindestens 16 Jahre alt sein. Die medikamentöse Art der PrEP ist definiert als eine Kombination der Wirkstoffe Tenofovirdisoproxil und Emtricitabin. Das entsprechende Arzneimittel muss in Deutschland zur Vorbeugung von Infektionen mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV-1) zugelassen sein. Nicht erstattet werden Kosten für Medikamente, welche aus dem Ausland mitgebracht oder eingeführt werden.

„Wir möchten, dass unsere Versicherten mit regulären Arzneimitteln versorgt werden, für die auch die entsprechenden Qualitätsstandards erfüllt sind“, teilte die DAK-Pressestelle mit.

Formal liegt der Erstattung ein entwertetes Privatrezept (bedruckt und abgestempelt) einer deutschen Apotheke zu Grunde. Versicherte können ein solches Rezept in einem DAK Servicezentrum oder auch per DAK Scan APP zur Erstattung einreichen. Wichtig: die DAK übernimmt auch rückwirkend ab dem 01. Januar 2019 die Kosten für die PrEP. Falls Sie also nachträglich ein Rezeptduplikat bzw. Zahlungsbelege für eine bereits in diesem Jahr bezogenen PrEP benötigen, so halten Sie hierzu Rücksprache mit Ihrem verschreibenden Arzt bzw. Ihrer beliefernden Apotheke.

Für den Fall, dass Ihnen Ihre Arztpraxis eine Privatrechnung für notwendige Vor- und Begleiterkrankungen ausgestellt hat, werden diese Kosten allerdings nicht von der DAK übernommen. Bleibt abzuwarten ob dem Beispiel der DAK weitere Krankenkassen folgen werden. Bislang sind laut Bundesversicherungsamt keine weiteren Anträge eingegangen. Bei den privaten Kostenträgern gibt es zumindest schon vereinzelte Fälle, in denen sowohl die PrEP Kosten für Medikamente als auch begleitenden Untersuchungen erstattet werden.

Quelle:  www.aerzteblatt.de; www.aidshilfe.de; Pressemitteilung DAK