Aktuelle Themen

Zusammen mit der österreichischen Fachgesellschaft hat die Deutsche AIDS Gesellschaft die Leitlinie zur antiretroviralen Behandlung basierend auf der GEMINI-Studie aktualisiert.

So wird nun Biktarvy® (Bictegravir/Tenofoviralafenamid/Emtricitabin) empfohlen, während Genvoya® (Elvitegravir/Cobicistat/Tenofoviralafenamid/Emtricitabin) jetzt eine Alternative ist. Das NNRTI Doravirin (Pifeltro®) wird neu empfohlen und ebenfalls auch als Fixkombination mit Doravirin/Tenofovirdiproxil/Lamivudin (Delstrigo®). Die Kombination Dolutegravir/Lamivudin wird jetzt nur noch alternativ empfohlen.

Die Kombination Tenofovirdiproxil/Emtricitabin (Truvada®) wird wieder empfohlen, wobei die Konsensstärke nicht stark und die Diskussion kontrovers waren.
Tenofovirdiproxil/Lamivudin wird in Kombination mit Doravirin empfohlen. Bei Darunavir/r wird sowohl Tenofoviralafenamid/Emtricitabin als auch Abacavir/Lamivudin als Backbone empfohlen.

Quelle: https://www.hivandmore.de/aktuell/2019-07/deutsche-art-leitlinien-2019.shtml

Dank der Fortschritte in der HIV Behandlung gelang Ärzten in den USA nun erstmals eine Nierentransplantation.

Die Chirurgen transplantierten die Niere einer infizierten Organspenderin in den Körper eines infizierten Empfängers. Bislang konnten Organentnahmen nur an verstorbenen HIV-Infizierten vorgenommen werden. Damit besteht neue Hoffnung für Infizierte, die auf ein Spenderorgan warten.

Wissenschaftler sind davon ausgegangen, dass es für HIV-Infizierte zu riskant ist eine Niere zu spenden und mit nur einer weiter zu leben. Durch die Fortschritte der HIV-Behandlung, durch die die Zahl der Erreger massiv gesenkt wird, ist es für Infizierte möglich ein fast normales Leben zu führen. Aufgrund dessen können HIV-Infizierte nun auch als Organspender für andere HIV-Patienten in Frage kommen.
Quelle:  www.n-tv.de/wissen/Erste-Organspende-bei-HIV-Infizierten-article20935431.html

Die weit verbreitete Wirkstoffkombination aus Tenofovir und Emtricitabin (in der HIV Therapie auch oft als Backbone bezeichnet), ist seit längerer Zeit in der Diskussion. Es ist umstritten, ob der Anteil an Tenofovir nach längerer Einnahme die Nierenfunktion und Knochenstruktur verschlechtert. Dies ist vor allem wichtig zu wissen, da der Wirkstoff nicht nur sehr häufig zur HIV-Behandlung eingesetzt wird, sondern auch zur PrEP (Prä-Expositionsprophylaxe). In dem Fall würden dann gesunde Menschen möglicherweise einem Risiko ausgesetzt werden.

Deswegen wird mittlerweile von der Firma Gilead eine optimierte Version des Wirkstoffes angeboten, welches einen deutlich geringeren Einfluss auf die Niere und die Knochen haben soll. Auch alle Kombinationspräparate wurden mittlerweile verbessert: das alte TDF (Tenofovir-Disoproxilfumerat) wurde gegen das neue TAF (Tenovoviralafenamid) ausgetauscht.

Doch wie groß ist der Vorteil durch diesen Austausch wirklich?

Studien wollen gezeigt haben, dass die vermeintliche Nierenschädigung durch TDF nur eintritt, wenn die Gabe in Zusammenhang mit einem Booster wie Ritonavir oder Cobicistat gegeben wird. Ansonsten gäbe es keine klaren Vorteile durch den Austausch von TDF durch TAF. Fragwürdig sind in diesem Zusammenhang auch die deutlich höheren Kosten durch TAF. 

Daraufhin wurden weitere Studien durchgeführt in Afrika, Europa, Nord- und Südamerika sowie Asien. Auch hier konnten keine signifikanten Veränderungen in den Kreatinin-Werten der Niere, sowie in der Belastbarkeit von Knochen festgestellt werden. Hierbei war es auch egal, ob es sich um eine kontinuierliche oder anlassbezogene PrEP handelte, sowie ob Mann oder Frau.

Generell wird allerdings empfohlen, bei Patientin die mit TAF behandelt werden, regelmäßig die Nierenfunktion zu überprüfen, zumindest solange, bis neue Daten vorliegen, die genauere Aussagen geben.

Quelle: Projekt Information März/April 2019 S.12-13