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Ein Internationales Forschungsteam hat unter Kölner Leitung erfolgreich einen neuen Antikörper entdeckt, welcher das HI-Virus in fast allen untersuchten Varianten neutralisiert und auch häufige Resistenzmechanismen blockiert. Diese Entdeckung macht Hoffnung für neue Perspektiven zur Vorbeugung und Behandlung von HIV-Infektionen.
Das Forschungsprojekt wurde in enger internationaler Zusammenarbeit mit Forschungszentren aus Afrika, Nepal und den USA durchgeführt. Untersucht wurden sogenannte „HIV-1 Elite Neutralisierer“, also Menschen, die trotz HIV-Infektion die Virenlast lange ohne Medikamente kontrollieren können, weil ihr Immunsystem breit-neutralisierende Antikörper (bNAbs) produziert. Diese Antikörper, sind spezielle Eiweißmoleküle des Immunsystems, welche gezielt körperfremde Eindringlinge wie das HI-Virus binden und für die Abtötung durch das Immunsystem markieren. Breit-neutralisierende Antikörper sind in der Lage viele verschiedene HIV-Stämme zu bekämpfen.
Insgesamt wurden im Zuge der Studie 2.354 Patient*innen mit unterschiedlichster Herkunft untersucht, von denen 32 Teilnehmer*innen als „Elite Neutralisierer“ identifiziert wurden. Aus ihren Blutproben konnten dann erfolgreich mehr als 800 verschiedene HIV-Antikörper isoliert werden, unter anderem ein Antikörper, der besonders hervorstach. Der breit-neutralisierende Antikörper 04_A06 übertraf alle anderen Varianten im Bezug auf Wirkstärke und Breite der Wirkung. In Vitro Studien am Maus-Modell zeigten nicht nur eine Senkung der Viruslast um mehr als den Faktor 100 nach 12 Wochen Behandlung, sondern auch eine Verhinderung eines Virus-Rebounds mit erneutem Anstieg der Viruslast. Diese effektive Wirkweise führten die Forschenden unter anderem auf die besondere Struktur des Antikörpers zurück. Der Antikörper 04_A06 unterscheidet sich von anderen HIV-Antikörpern dadurch, dass er eine charakteristische, besonders lange Aminosäurekette besitzt. Man kann sich diese spezifische Aminosäurekette wie einen zusätzlichen „Greifarm“ vorstellen. Mit diesem Greifarm kann der Antikörper Stellen am Virus erreichen und blockieren, die sonst schwer zugänglich sind. Diese Stellen sind für das Virus sehr wichtig und lassen sich nur schwer verändern. Das könnte erklären, warum dieser neu entdeckte Antikörper gegen alle bisher untersuchten HIV-Varianten wirksam ist und sogar viele bekannte Mechanismen umgeht, mit denen das Virus sonst resistent wird.
Bislang war die Suche nach einem HIV-Antikörper eine besondere Herausforderung, da das Virus sich ständig verändert. Die Entdeckung und Isolation des breit-neutralisierenden Antikörpers 04_A06 bietet nun einen vielversprechenden Ansatz für Patient*innen die mit HIV leben, als auch für die Prävention von Risikogruppen. Laut den Studien der Forschenden, könnte eine einmalige Gabe des Antikörpers in Zukunft eine über 93 Prozentige Schutzwirkung bieten.
Quelle: Universität zu Köln: Antikörper entdeckt, der fast alle bekannten HIV-Varianten in Neutralisationstests blockiert; Gieselmann, L., DeLaitsch, A.T., Rohde, M. et al. Profiling of HIV-1 elite neutralizer cohort reveals a CD4bs bnAb for HIV-1 prevention and therapy. Nat Immunol 26, 2016–2029 (2025). https://doi.org/10.1038/s41590-025-02286-5 Antikörper entdeckt, der fast alle bekannten HIV-Varianten in Neutralisationstests blockiert | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung
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ChemSex bezeichnet die Einnahme chemischer Substanzen, um den Sex länger und intensiver zu erleben. Diese Substanzen führen zu einem sexuell enthemmenden „High“ und werden daher insbesondere bei Sexpartys in der queeren Szene konsumiert. Häufig verwendete Substanzen sind dabei Crystal Meth, GBL/GHB oder Mephedron.
So reizvoll die stimulierenden Effekte erscheinen mögen, gehen sie jedoch mit gesundheitlichen Risiken einher, die oft nicht ausreichend beachtet werden. Neben einer erhöhten Risikobereitschaft und einem verminderten Schmerzempfinden kann es durch Austrocknung auch zu Verletzungen der Analschleimhaut kommen. Auf die Verwendung von Gleitgel und regelmäßiges Wechseln von Kondomen (mindestens alle 30 Minuten) sollte daher besonders geachtet werden.
Neben diesen unmittelbaren körperlichen Gefahren spielen auch mögliche Wechselwirkungen, insbesondere mit HIV-Medikamenten, eine wichtige Rolle. Da beispielsweise der Abbauweg von GHB im menschlichen Körper noch nicht vollständig geklärt ist, kann es zu Wechselwirkungen zwischen dieser Substanz und Arzneimitteln kommen. Für einen Safer Use von GHB soll daher insbesondere bei gleichzeitiger HIV-Therapie eine niedrige Dosis konsumiert werden. Denn bei gleichzeitiger HIV-Therapie und Einnahme von GHB kann es zu epileptischen Anfällen, verlangsamtem Herzschlag, Atemdepression und Bewusstseinsverlust kommen. Die Gefahr einer Überdosierung ist bei dieser Substanz hoch – insbesondere weil erste Symptome häufig übersehen werden. Anzeichen sind ein schwer störbarer Schlaf und das Verschwinden des Lidreflexes, bis hin zum Koma.
Auch andere beim ChemSex häufig genutzte Substanzen haben spezifische Wirkungen und Risiken, die berücksichtigt werden sollten. Crystal Meth, das meist in Kristallform oder als Pulver konsumiert wird, kann zu gesteigertem Selbstbewusstsein, Euphorie und erhöhter sexueller Lust führen. Die Hauptwirkung hält dabei nur 20–30 Minuten an, die möglichen Langzeitfolgen, wie Schäden der Schleimhäute, Depressionen oder Bluthochdruck jedoch deutlich länger. Besonders problematisch wird der Konsum von Crystal Meth, wenn zusätzlich bestimmte HIV-Medikamente eingenommen werden. Crystal Meth wechselwirkt insbesondere mit einer gebbosterten HIV-Medikation (Wirkstoffe Ritonavir und Cobicistat). Durch die Einnahme eines Boosters wird der Abbau von Crystal Meth gehemmt. Die Folge ist eine verstärkte bzw. verlängerte Wirkung, was zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führen kann. Daher soll Crystal Meth unter einer Booster-Therapie möglichst nicht konsumiert werden – und wenn doch, nur stark reduziert.
Ähnliche Risiken bestehen auch bei einer weiteren häufig verwendeten Substanz: Mephedron. Mephedron, häufig als „Meph“ abgekürzt, wird auf Partys meist mit GHB kombiniert oder mehrmals eingenommen, um den Effekt zu erhalten, der aufgrund der kurzen Wirkdauer schnell nachlässt. Auch diese Droge wird durch die gleichzeitige Einnahme von Booster-Medikamenten langsamer abgebaut. Die dadurch verstärkte Wirkung kann zu vermehrten Nebenwirkungen wie Herzrasen, Unruhe und Erbrechen führen. Daher soll auch Mephedron unter Booster-Therapie nicht konsumiert werden – und wenn doch, nur in niedriger Dosierung.
Zusätzlich verursachen chemische Drogen wie Kokain, Amphetamine (Ecstasy, 4-MMC, 3-MMC, Crystal Meth) sowie neuere amphetaminartig wirkende Substanzen wie Mephedron (4-MMC) und Metaphedron (3-MMC) häufig Schlafprobleme. Insbesondere nach längeren Partynächten ist das Bedürfnis nach erholsamem Schlaf jedoch besonders hoch. Infolgedessen wird häufig zu Schlafmedikamenten gegriffen, die allerdings ein hohes Risiko für Abhängigkeit aufweisen. Abstinenz sowohl von Partydrogen als auch von Schlafmedikamenten sorgt in der Regel für eine Normalisierung des Schlafrhythmus und lässt die Schlafprobleme meist wieder verschwinden. Sollten die Probleme weiterhin bestehen, ist es ratsam, sich Hilfe bei einer Ärztin oder einem Arzt zu holen.
Angesichts dieser vielfältigen Risiken ist es wichtig, sich gut zu informieren und bei Unsicherheiten Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Informationen über weitere Substanzen bietet die Deutsche Aidshilfe auf ihrer Website. Dort erhalten Sie auch Beratungsangebote und Unterstützung bei Sorgen über den eigenen Konsum.
Quelle: https://www.aidshilfe-ooe.at/checkit-die-queere-seite/chemsex/ GHB / Liquid Ecstasy: Wirkung, Nebenwirkungen, Safer Use | Drogenportal der Aidshilfe Wenn der Konsum aus dem Ruder läuft: Beratungs- und Gruppenangebote zu ChemSex - Fachportal Beratung https://www.hivandmore.de/archiv/2022-4/schlafstoerungen-bei-menschen-mit-hiv.shtml https://www.msd-gesundheit.de/infektionskrankheiten/hiv/hiv-und-schlafstoerungen/
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Die medizinische Versorgung von Menschen mit HIV in Deutschland gilt seit Jahren als vorbildlich. Moderne Medikamente, spezialisierte Schwerpunktpraxen und erfahrene Ärzt*innen ermöglichen heute ein langes und weitgehend gesundes Leben mit HIV. Ein aktuelles Gutachten zeigt jedoch, dass dieser hohe Versorgungsstandard in den kommenden Jahren zunehmend in Gefahr geraten könnte.
Steigender Bedarf durch demografische Entwicklung
Die Zahl der Menschen mit HIV, die regelmäßig medizinisch betreut werden müssen, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Hauptgrund dafür ist der große Behandlungserfolg: Menschen mit HIV leben länger und benötigen dadurch häufiger medizinische Betreuung – nicht nur wegen HIV selbst, sondern auch aufgrund altersbedingter Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen oder psychischen Belastungen.
Zwischen 2014 und 2023 nahm die Zahl der Patien*innen in spezialisierter HIV-Behandlung um fast 40 Prozent zu. Bis zum Jahr 2035 wird ein weiterer deutlicher Anstieg erwartet. Dadurch steigt auch der Umfang der notwendigen ärztlichen Leistungen, da die Versorgung älterer und multimorbider Patient*innen zeitintensiver ist.
Ambulante Versorgung als Schwerpunkt
Der überwiegende Teil der HIV-Versorgung in Deutschland findet ambulant in spezialisierten HIV-Schwerpunktpraxen statt. Rund drei Viertel aller Menschen mit HIV werden dort betreut. Diese Praxen verfügen über besondere Erfahrung in der Therapie, im Umgang mit Wechselwirkungen sowie in der Begleitung komplexer Krankheitsverläufe.
Problematisch ist jedoch, dass die Zahl dieser Schwerpunktpraxen seit Jahren stagniert. Zwar steigt die Zahl der betreuten Patient*innen kontinuierlich, die Zahl der dort tätigen Ärzt*innen wächst jedoch deutlich langsamer.
Drohender Mangel an HIV-Spezialist*innen
Prognosen zeigen, der steigende Versorgungsbedarf droht nicht mit der verfügbaren Versorgungskapazität Schritt halten zu können. Bis zum Jahr 2035 könnten deutschlandweit bis zu 130 spezialisierte HIV-Ärzt*innen fehlen. Das entspricht etwa einem Viertel der benötigten Fachkräfte.
Ein solcher Mangel hätte spürbare Folgen für Patient*innen: längere Wartezeiten, weniger Zeit für Arztgespräche und erschwerter Zugang zu spezialisierter Versorgung. Besonders betroffen wären Regionen außerhalb großer Städte.
Regionale Unterschiede beim Zugang zur Versorgung
Schon heute ist die HIV-Versorgung regional ungleich verteilt. In Großstädten besteht meist ein gutes Angebot an Schwerpunktpraxen und Kliniken, während Menschen in ländlichen Regionen bereits heutzutage oft weite Wege auf sich nehmen müssen. Besonders für ältere oder gesundheitlich eingeschränkte Personen stellt dies eine zunehmende Belastung dar.
Veränderte Rolle der Krankenhäuser
Die stationäre Versorgung von Menschen mit HIV hat sich in den letzten Jahren ebenfalls gewandelt. Krankenhausaufenthalte erfolgen heute seltener wegen HIV selbst, sondern häufiger aufgrund anderer Erkrankungen. Bei bestehender HIV-Diagnose ist daher die Expertise im Umgang mit dem Infekt wichtig, aber nicht in allen Kliniken gleichermaßen vorhanden, was die Versorgung beeinflussen kann.
Handlungsempfehlungen für die Zukunft
Um den hohen Standard der HIV-Versorgung zu sichern, werden in dem Gutachten frühzeitige Gegenmaßnahmen empfohlen. Dazu zählen eine stärkere Förderung des medizinischen Nachwuchses, der Ausbau der Versorgung über digitale Technologien, eine bessere Vernetzung zwischen HIV-Praxen, geriatrischen Einrichtungen und psychosozialer Versorgung sowie gezielte Unterstützung für strukturschwache Regionen.
Fazit
Die HIV-Versorgung in Deutschland ist aktuell leistungsfähig und qualitativ hochwertig. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, müssen jedoch rechtzeitig strukturelle Anpassungen erfolgen. Ziel ist eine spezialisierte Versorgung unabhängig vom Alter, vom Wohnort und von der individuellen Lebenssituation der Menschen mit HIV.
Quelle: Neues Gutachten zur HIV-Versorgung in Deutschland – aids-stiftung.de Gutachten: Bedarf an HIV-Spezialversorgung steigt um 40 Prozent bis 2035 Gutachten warnt vor Engpässen bei der HIV-Versorgung | G+G HIV-Medizin: Drohende Versorgungslücke | Deutsche Aidshilfe Neues Gutachten zur HIV-Versorgung in Deutschland / Zu wenige Praxen für immer mehr ... | Presseportal