DAH2KA e.V.
Deutsche Arbeitsgemeinschaft HIV- und Hepatitis-kompetenter Apotheken e.V.
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Aktuelle Themen

HIV-Immunität

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Erstellt: 14. Januar 2026

Immunität gegen eine der ursprünglich tödlichsten Viruserkrankungen, die derzeit auf unserer Erde existieren: ein Satz, der das Leben vieler Patientinnen und Patienten für immer verändern würde. Genau dies beschreibt die Tatsache der HIV-Immunität. Doch was bedeutet Immunität eigentlich und wie kommt sie zustande?

Lange Zeit galt eine Immunität gegen HIV als unerreichbar. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen jedoch, dass das Immunsystem in seltenen Fällen Wege findet, das Virus zu kontrollieren oder sogar vollständig auszuschalten. Diese besondere genetische Veranlagung findet sich bei etwa einem Prozent aller Europäerinnen und Europäer, sowie bei Menschen europäischer Abstammung weltweit. Bei ihnen liegt eine Mutation des sogenannten CCR5-Rezeptors vor.

Dieser Rezeptor ist Teil unseres Immunsystems und spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation und Bekämpfung von Entzündungen im Körper. Genau diesen Rezeptor nutzt das HI-Virus jedoch als „Eintrittspforte“, um die zentralen Zellen des Immunsystems zu infizieren und dadurch außer Kraft zu setzen. Ist der CCR5-Rezeptor aufgrund einer genetischen Mutation verändert, kann das Virus nicht in die Zellen eindringen – der sprichwörtliche „Türöffner“ fehlt. Menschen, die diese Mutation in sich tragen, können daher nicht mit dem HI-Virus infiziert werden und sind von Geburt an immun. Es handelt sich hierbei allerdings nicht um einen therapeutischen Ansatz, sondern um einen evolutionsbedingten Zufall.

Damit stellen sich zwei zentrale Fragen: Warum kommt diese genetische Mutation fast ausschließlich bei Europäern vor, und ließe sie sich möglicherweise künstlich herbeiführen?

Über lange Zeit existierten zahlreiche Theorien über den Ursprung dieser Mutation. Könnten etwa mittelalterliche Seuchen für die Veränderung im Erbgut verantwortlich gewesen sein? Um dieser Frage nachzugehen, trainierte eine dänische Forschungsgruppe eine künstliche Intelligenz mit genetischen Daten von mehreren tausend heute lebenden Menschen, sowie von mehreren hundert menschlichen Skeletten. Die Ergebnisse zeigten, dass diese Mutation erstmals vor etwa 7.000 bis 9.000 Jahren bei einer Person auftrat, die im Gebiet des schwarzen Meeres lebte. Als Ursache vermuten die Forschenden einen evolutionsbedingten Überlebensvorteil in einer Zeit, in der Menschen mit neuen Krankheitserregern konfrontiert waren. Der Erstautor der Studie, Leonardo Cobuccio, erklärte dazu:
„Menschen mit dieser Mutation überlebten besser, wahrscheinlich weil ihr Immunsystem in einer Zeit gedämpft wurde, in der die Menschen neuen Krankheitserregern ausgesetzt waren.“

Abschließend stellt sich die wohl wichtigste und zugleich spannendste Frage: Lassen sich aus diesen Erkenntnissen neue Therapieansätze gegen HIV ableiten?
Hoffnung gibt ein Fall aus jüngerer Vergangenheit in Berlin. Dort wurde ein HIV-Patient aufgrund einer zusätzlichen Krebserkrankung mit einer Stammzelltransplantation behandelt. In der Folge entwickelte er – wie bereits sechs HIV- und Krebspatienten vor ihm – eine funktionelle Immunität gegen das HI-Virus und konnte seine antiretrovirale Therapie absetzen. In den früheren Fällen lag der Grund darin, dass die Stammzellspender zufällig Träger der beschriebenen CCR5-Mutation waren. Im jüngsten Berliner Fall jedoch trug die Stammzellspenderin diese exakte Mutation nicht. Dennoch war die Viruslast des Patienten so gering, dass keine weitere Therapie notwendig war.

Genau hierin liegt die große Hoffnung: Mit hoher Wahrscheinlichkeit war das transplantierte Immunsystem in der Lage, sämtliche verbliebenen HI-Viren im Körper des Patienten zu eliminieren. Dies deutet darauf hin, dass spezielle Stammzell- und Immuntherapien ein großes Potenzial für die zukünftige HIV-Behandlung besitzen könnten. Da diese Therapieformen jedoch mit erheblichen Risiken verbunden sind – etwa der Übertragung anderer Erkrankungen vom Spender auf den Empfänger –, ist der Weg zu einer breiten Anwendung vermutlich noch lang. Dennoch lassen diese Erkenntnisse Raum für berechtigte Hoffnung.

Quelle:  Immun gegen HIV: Gendefekt schützt vor der Infektion – Deutsches Ärzteblatt Biologen führen HIV-Immunität von Europäern auf mittelalterliche Seuchen zurück | Nachrichten | CORDIS | Europäische Kommission Heilung von AIDS: Überraschend HIV-frei nach Stammzelltransplantation - Spektrum der Wissenschaft  Neue Hoffnung im Kampf gegen HIV: Stammzelltherapie heilt zweiten 'Berliner Patienten' Genmutation hinter HIV-Immunität ist tausende Jahre alt - Mensch - derStandard.de › Wissen und Gesellschaft  Tracing the evolutionary history of the CCR5delta32 deletion via ancient and modern genomes: Cell

 

Entdeckung eines neuen HIV-Antikörpers von einem Forschungsteam unter Kölner Leitung

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Erstellt: 14. Januar 2026

Ein Internationales Forschungsteam hat unter Kölner Leitung erfolgreich einen neuen Antikörper entdeckt, welcher das HI-Virus in fast allen untersuchten Varianten neutralisiert und auch häufige Resistenzmechanismen blockiert.  Diese Entdeckung macht Hoffnung für neue Perspektiven zur Vorbeugung und Behandlung von HIV-Infektionen. 

Das Forschungsprojekt wurde in enger internationaler Zusammenarbeit mit Forschungszentren aus Afrika, Nepal und den USA durchgeführt. Untersucht wurden sogenannte „HIV-1 Elite Neutralisierer“, also Menschen, die trotz HIV-Infektion die Virenlast lange ohne Medikamente kontrollieren können, weil ihr Immunsystem breit-neutralisierende Antikörper (bNAbs) produziert. Diese Antikörper, sind spezielle Eiweißmoleküle des Immunsystems, welche gezielt körperfremde Eindringlinge wie das HI-Virus binden und für die Abtötung durch das Immunsystem markieren. Breit-neutralisierende Antikörper sind in der Lage viele verschiedene HIV-Stämme zu bekämpfen. 

Insgesamt wurden im Zuge der Studie 2.354 Patient*innen mit unterschiedlichster Herkunft untersucht, von denen 32 Teilnehmer*innen als „Elite Neutralisierer“ identifiziert wurden. Aus ihren Blutproben konnten dann erfolgreich mehr als 800 verschiedene HIV-Antikörper isoliert werden, unter anderem ein Antikörper, der besonders hervorstach. Der breit-neutralisierende Antikörper 04_A06 übertraf alle anderen Varianten im Bezug auf Wirkstärke und Breite der Wirkung. In Vitro Studien am Maus-Modell zeigten nicht nur eine Senkung der Viruslast um mehr als den Faktor 100 nach 12 Wochen Behandlung, sondern auch eine Verhinderung eines Virus-Rebounds mit erneutem Anstieg der Viruslast. Diese effektive Wirkweise führten die Forschenden unter anderem auf die besondere Struktur des Antikörpers zurück. Der Antikörper 04_A06 unterscheidet sich von anderen HIV-Antikörpern dadurch, dass er eine charakteristische, besonders lange Aminosäurekette besitzt. Man kann sich diese spezifische Aminosäurekette wie einen zusätzlichen „Greifarm“ vorstellen. Mit diesem Greifarm kann der Antikörper Stellen am Virus erreichen und blockieren, die sonst schwer zugänglich sind. Diese Stellen sind für das Virus sehr wichtig und lassen sich nur schwer verändern. Das könnte erklären, warum dieser neu entdeckte Antikörper gegen alle bisher untersuchten HIV-Varianten wirksam ist und sogar viele bekannte Mechanismen umgeht, mit denen das Virus sonst resistent wird. 

Bislang war die Suche nach einem HIV-Antikörper eine besondere Herausforderung, da das Virus sich ständig verändert. Die Entdeckung und Isolation des breit-neutralisierenden Antikörpers 04_A06 bietet nun einen vielversprechenden Ansatz für Patient*innen die mit HIV leben, als auch für die Prävention von Risikogruppen. Laut den Studien der Forschenden, könnte eine einmalige Gabe des Antikörpers in Zukunft eine über 93 Prozentige Schutzwirkung bieten.  

Quelle: Universität zu Köln: Antikörper entdeckt, der fast alle bekannten HIV-Varianten in Neutralisationstests blockiert; Gieselmann, L., DeLaitsch, A.T., Rohde, M. et al. Profiling of HIV-1 elite neutralizer cohort reveals a CD4bs bnAb for HIV-1 prevention and therapy. Nat Immunol 26, 2016–2029 (2025). https://doi.org/10.1038/s41590-025-02286-5  Antikörper entdeckt, der fast alle bekannten HIV-Varianten in Neutralisationstests blockiert | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

 

ChemSex: Risiken ernst nehmen, Gesundheit schützen

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Erstellt: 14. Januar 2026

ChemSex bezeichnet die Einnahme chemischer Substanzen, um den Sex länger und intensiver zu erleben. Diese Substanzen führen zu einem sexuell enthemmenden „High“ und werden daher insbesondere bei Sexpartys in der queeren Szene konsumiert. Häufig verwendete Substanzen sind dabei Crystal Meth, GBL/GHB oder Mephedron. 

So reizvoll die stimulierenden Effekte erscheinen mögen, gehen sie jedoch mit gesundheitlichen Risiken einher, die oft nicht ausreichend beachtet werden. Neben einer erhöhten Risikobereitschaft und einem verminderten Schmerzempfinden kann es durch Austrocknung auch zu Verletzungen der Analschleimhaut kommen. Auf die Verwendung von Gleitgel und regelmäßiges Wechseln von Kondomen (mindestens alle 30 Minuten) sollte daher besonders geachtet werden.

Neben diesen unmittelbaren körperlichen Gefahren spielen auch mögliche Wechselwirkungen, insbesondere mit HIV-Medikamenten, eine wichtige Rolle. Da beispielsweise der Abbauweg von GHB im menschlichen Körper noch nicht vollständig geklärt ist, kann es zu Wechselwirkungen zwischen dieser Substanz und Arzneimitteln kommen. Für einen Safer Use von GHB soll daher insbesondere bei gleichzeitiger HIV-Therapie eine niedrige Dosis konsumiert werden. Denn bei gleichzeitiger HIV-Therapie und Einnahme von GHB kann es zu epileptischen Anfällen, verlangsamtem Herzschlag, Atemdepression und Bewusstseinsverlust kommen. Die Gefahr einer Überdosierung ist bei dieser Substanz hoch – insbesondere weil erste Symptome häufig übersehen werden. Anzeichen sind ein schwer störbarer Schlaf und das Verschwinden des Lidreflexes, bis hin zum Koma.

Auch andere beim ChemSex häufig genutzte Substanzen haben spezifische Wirkungen und Risiken, die berücksichtigt werden sollten.  Crystal Meth, das meist in Kristallform oder als Pulver konsumiert wird, kann zu gesteigertem Selbstbewusstsein, Euphorie und erhöhter sexueller Lust führen. Die Hauptwirkung hält dabei nur 20–30 Minuten an, die möglichen Langzeitfolgen, wie Schäden der Schleimhäute, Depressionen oder Bluthochdruck jedoch deutlich länger. Besonders problematisch wird der Konsum von Crystal Meth, wenn zusätzlich bestimmte HIV-Medikamente eingenommen werden. Crystal Meth wechselwirkt insbesondere mit einer gebbosterten HIV-Medikation (Wirkstoffe Ritonavir und Cobicistat). Durch die Einnahme eines Boosters wird der Abbau von Crystal Meth gehemmt. Die Folge ist eine verstärkte bzw. verlängerte Wirkung, was zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führen kann. Daher soll Crystal Meth unter einer Booster-Therapie möglichst nicht konsumiert werden – und wenn doch, nur stark reduziert.

Ähnliche Risiken bestehen auch bei einer weiteren häufig verwendeten Substanz: Mephedron. Mephedron, häufig als „Meph“ abgekürzt, wird auf Partys meist mit GHB kombiniert oder mehrmals eingenommen, um den Effekt zu erhalten, der aufgrund der kurzen Wirkdauer schnell nachlässt. Auch diese Droge wird durch die gleichzeitige Einnahme von Booster-Medikamenten langsamer abgebaut. Die dadurch verstärkte Wirkung kann zu vermehrten Nebenwirkungen wie Herzrasen, Unruhe und Erbrechen führen. Daher soll auch Mephedron unter Booster-Therapie nicht konsumiert werden – und wenn doch, nur in niedriger Dosierung.

Zusätzlich verursachen chemische Drogen wie Kokain, Amphetamine (Ecstasy, 4-MMC, 3-MMC, Crystal Meth) sowie neuere amphetaminartig wirkende Substanzen wie Mephedron (4-MMC) und Metaphedron (3-MMC) häufig Schlafprobleme. Insbesondere nach längeren Partynächten ist das Bedürfnis nach erholsamem Schlaf jedoch besonders hoch. Infolgedessen wird häufig zu Schlafmedikamenten gegriffen, die allerdings ein hohes Risiko für Abhängigkeit aufweisen. Abstinenz sowohl von Partydrogen als auch von Schlafmedikamenten sorgt in der Regel für eine Normalisierung des Schlafrhythmus und lässt die Schlafprobleme meist wieder verschwinden. Sollten die Probleme weiterhin bestehen, ist es ratsam, sich Hilfe bei einer Ärztin oder einem Arzt zu holen. 

Angesichts dieser vielfältigen Risiken ist es wichtig, sich gut zu informieren und bei Unsicherheiten Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Informationen über weitere Substanzen bietet die Deutsche Aidshilfe auf ihrer Website. Dort erhalten Sie auch Beratungsangebote und Unterstützung bei Sorgen über den eigenen Konsum.

Quelle: https://www.aidshilfe-ooe.at/checkit-die-queere-seite/chemsex/ GHB / Liquid Ecstasy: Wirkung, Nebenwirkungen, Safer Use | Drogenportal der Aidshilfe Wenn der Konsum aus dem Ruder läuft: Beratungs- und Gruppenangebote zu ChemSex - Fachportal Beratung https://www.hivandmore.de/archiv/2022-4/schlafstoerungen-bei-menschen-mit-hiv.shtml https://www.msd-gesundheit.de/infektionskrankheiten/hiv/hiv-und-schlafstoerungen/

 


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