Aktuelle Themen

Auf ihrem eigenen Informationsportal stellt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, kurz BZgA, viele nützliche Informationen zusammen zu sexuell übertragbaren Infektionen (STI), wie Chlamydien, Syphillis, HPV und HIV, als das es auch sensible Bereiche wie sexuelle Identität, Geschlechtsidentität und Safer Sex aufgreift. Das Online-Portal wird ergänzt durch die Möglichkeiten der anonymen telefonischen Beratung, sowie Beratungsstellen vor Ort. Die Informationen sind übersichtlich, sowie anschaulich dargestellt. Neben einem Bereich für Laien, gibt es auch einen für Fachkräfte und Pressemitteilungen.

Quelle: www.liebesleben.de , Viro Letter 06/2017

Epidemiologische Überwachungsbehörden berichten von einem Anstieg der Hepatitis A Neudiagnosen in Europa. Mit 5983 Fällen waren es bis August dieses Jahres schon mehr als doppelt so viele, wie im gesamten letzten Jahr.

Bisher haben sich Männer und Frauen etwa  gleich häufig angesteckt. In 2017 infizierten sich aber Männer, die Sex mit Männern haben dreimal häufiger mit Hepatitis A. Dass sich das Virus fäkal-oral überträgt, könnte dieses Phänomen erklären. Oral-anale sexuelle Praktiken beim MSM erleichtern es dem Virus von einem auf den anderen Menschen überzugehen.

In Berlin wurde zur Sicherheit der Teilnehmer, bereits eine Sexparty abgesagt. Viele Veranstalter solcher Partys weisen auf das Infektionsrisiko hin und betonen, dass es eine gut wirksame Impfung gibt.

Hepatitis A Viren übertragen sich auch durch unzureichende Hygiene in der Gastronomie. Außerdem reichern sich Viren, die durch infizierte Abwässer in Flüsse gelangen in Austern an. Isst man solche Austern roh, kann man sich dabei anstecken.

Eine Infektion führt mitunter zu einer akuten Leberentzündung, die Betroffene mit Abgeschlagenheit, Druck im Oberbauch, und Juckreiz belastet. Gelbe Augen, heller Stuhlgang und dunkler Urin kennt man als klassische Symptome. Oft verläuft eine Infektion aber auch völlig unbemerkt oder sehr mild. Bei gesunden Menschen heilt die Hepatitis A gewöhnlich folgenlos aus.
Anders sieht es bei Menschen aus, die bereits an einer chronischen Lebererkrankung wie Hepatitis B oder C leiden. Dann kann Hepatitis A deutlich schwerer verlaufen und möglicherweise tödlich enden.

Deshalb empfehlen Experten jedem sich impfen zu lassen. Der kurze Pikser gilt als hochwirksam und gut verträglich und kann auch als Kombiimpfung mit Hepatitis B verabreicht werden. Menschen mit erhöhtem Risiko, wie Männer, die Sex mit Männern haben und Reisende profitieren besonders von dem Impfschutz.

Quelle: Projekt Information, November / Dezember 2017, Jahrgang 25, Nr. 6

Auch im Jahr 2017 gab es auf dem HIV- und Hepatitissektor zahlreiche Neuerungen. Hierbei handelte es sich überwiegend um Optimierungen bereits vorhandener Wirkstoffe, welche als neue chemische Verbindung, Formulierung sowie Kombinierung auf den Markt kamen. Darüber hinaus spielten im Bereich der Neuzulassungen vor allem Generikapräparate eine immer größere Rolle.

Eine große Vereinfachung in der HIV-Therapie konnte kürzlich durch das neue Medikament Symtuza® erreicht werden, da bei diesem mit einer einmal täglichen Einnahme einer Tablette alle notwendigen Wirkstoffe verabreicht werden können. In der neuen Kombipille sind die vier Arzneistoffe Darunavir, Cobicistat, Tenofoviralafenamid und Emtricitabin enthalten. Dadurch wird die Einnahme der Medikamente für Patienten vereinfacht und somit eine regelmäßige Einnahme besser gewährleistet.

Auch bei dem Arzneimittel Isentress 600® liegt ein leichteres Einnahmeschema vor. Das Präparat Isentress® enthält den Wirkstoff Raltegravir und ist bereits länger im Handel. Seit kurzem ist Raltegravir mit einer neuen Tablettentechnologie und einer anderen Dosis erhältlich ist. Bei der neuen Variante (600 mg) müssen wie bei dem Vorgänger (400 mg) auch 2 Tabletten eingenommen werden, jedoch erfolgt die Einnahme einmal täglich anstatt zu zwei unterschiedlichen Zeitpunkten.
Weiterhin gibt es im Bereich der HIV-Therapie neue Tenofovir-Generika, also Arzneimittel, die den gleichen Wirkstoff wie Truvada® enthalten und von anderen Firmen hergestellt werden. Generika sind in der Regel sehr viel günstiger als entsprechende wirkstoffgleiche Originalprodukte. Hierdurch kommt es zu starken Entlastungen im Gesundheitssystem insgesamt. Die gesetzlichen Krankenkassen vereinbaren zumeist Rabattverträge sowohl mit Originalanbietern als auch Generikafirmen.

Für HIV-positive Säuglinge gibt es eine neue Darreichungsform des Wirkstoffes Atazanavir mit dem Namen Reyataz® 50mg, welches in Kombination mit Ritonavir-Saft verabreicht wird. Der Vorteil des pulverförmigen Arzneimittels ist, dass es nach Körpergewicht dosiert und unter die Nahrung gerührt verabreicht werden kann.

In der Behandlung der Hepatitis sind im Jahr 2017 ebenfalls neue Medikamente auf den Markt gekommen. Zur Behandlung der Hepatitis B ist nun das Arzneimittel Vemblidy® erhältlich, dessen Wirkstoff Tenofoviralafenamid zuvor bereits in der Behandlung von HIV neu eingeführt wurde.

Der Erfolgszug neuer Hepatitis C-Mittel ebbt nicht ab.  Auch in diesem Jahr sind wieder neue Kombinationspräparate auf den Markt gekommen, wie das im Vorjahr erschienene Epclusa® von Gilead, welche gegen alle HCV-Genotypen wirksam sind und zu einer vollständigen Elimination des Virus führen. Epclusa® enthält eine Kombination von Sofosbuvir und Velpatasvir, die über 12 Wochen genommen wird.

Vorteil der neuen Kombination in Maviret® von Abbvie aus Glecaprevir und Pibrentasvir ist, dass sie nur noch 8 Wochen eingenommen werden muss und die Therapiedauer somit um 4 Wochen gekürzt werden konnte. Maviret® kann außerdem bei dialysepflichtigen Patienten mit Nierenfunktionsstörungen eingenommen werden.

Der Hersteller Gilead brachte zeitgleich nochmals eine neue Kombinationstherapie aus dem altbekannten Wirkstoff Sofosbuvir, Velpatasvir und Voxilaprevir namens Vosevi® auf den Markt. Die Therapiedauer von Vosevi® beträgt ebenfalls nur 8 Wochen und kann bei Patienten eingesetzt werden, die vorab erfolglos therapiert worden sind.

Es wird vorsorglich darauf hingewiesen, dass es auch unter den neu zugelassenen Präparaten zu einer Hepatitis-B-Reaktivierung kommen kann, weshalb eine Vorinfektion ausgeschlossen werden sollte.
Außerdem gibt es in den USA das Arzneimittel Viekira XR®, welches die beiden Medikamente Viekirax® und Exvira® beinhaltet. Durch diese Kombination, wird die Einnahme für den Patienten erleichtert, in Deutschland gibt es jedoch keine Zulassung.

Quelle: Projekt Information, 25/Nr. 6, November/Dezember 2017