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Deutsche Arbeitsgemeinschaft HIV- und Hepatitis-kompetenter Apotheken e.V.
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Aktuelle Themen

Apretude: Kostenübernahme in Spanien

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Erstellt: 01. Oktober 2026

Cabotegravir: Der Wirkstoff in Apretude
In Deutschland nutzen rund 40.000 Menschen die orale PrEP (Prä-Expositionsprophylaxe) zum Schutz vor einer HIV-Infektion mit den Wirkstoffen Tenofovir-DF und Emtricitabin. Die PrEP wird entweder täglich oder anlassbezogen in Form einer Tablette eingenommen und seit 2019 von den gesetzlichen Krankenkassen für Menschen mit einem erhöhten HIV-Infektionsrisiko übernommen. Lange Zeit war dies die einzige Möglichkeit, sich medikamentös vor einer HIV-Infektion zu schützen. Seit 2023 ist mit Cabotegravir, das unter dem Handelsnamen Apretude von ViiV Healthcare vertrieben wird, ein weiterer Wirkstoff zur HIV-Prävention zugelassen und stellt einen wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung der modernen PrEP dar.

Der große Vorteil dieses Medikaments liegt in seiner langen Wirkdauer. Als sogenannter „Long-Acting“-Wirkstoff wird Cabotegravir im Vergleich zur herkömmlichen PrEP langsamer abgebaut und kann dadurch über einen längeren Zeitraum im Körper verbleiben und seine Wirkung entfalten. Die Substanz wird dabei ambulant alle zwei Monate als intramuskuläre Injektion verabreicht. Klinische Studien zeigen zudem eine höhere Wirksamkeit von Apretude gegenüber der oralen PrEP zur Prävention einer HIV-Infektion. Dies ist unter anderem auf die verbesserte Therapietreue zurückzuführen, da die längeren Applikationsintervalle eine regelmäßige Anwendung erleichtern.

Apretude in Spanien: Kostenerstattung im Rahmen der UNAIDS-Verpflichtung
Spanien hat Anfang April 2026 als erstes EU-Land angekündigt, die Kosten für Cabotegravir im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung als Alternative zur herkömmlichen oralen PrEP zu übernehmen. Die Kostenübernahme richtet sich insbesondere an Personen, die die orale PrEP nicht vertragen oder sie aus anderen Gründen nicht anwenden können. Apretude soll somit das Spektrum der Präventionsmöglichkeiten erweitern und den Betroffenen eine zusätzliche Option für einen wirksamen HIV-Schutz bieten, ohne die orale PrEP vollständig zu ersetzen. Hintergrund dieser Entscheidung ist unter anderem die Verpflichtung im Rahmen der UNAIDS-Ziele, die Zahl der HIV-Neuinfektionen bis zum Jahr 2030 auf null zu senken.

Und in Deutschland?
Auch in Deutschland ist Cabotegravir zur HIV-Prävention zugelassen. Bislang werden die Behandlungskosten jedoch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Der Hauptgrund hierfür sind die deutlich höheren Kosten: Eine Einzeldosis Apretude kostet etwa 1.200 Euro. Daraus ergeben sich jährliche Therapiekosten von rund 7.000 Euro. Demgegenüber liegen die jährlichen Kosten der oralen PrEP mit Tenofovir/Emtricitabin bei etwa 400 bis 800 Euro und sind damit nahezu zehnmal geringer.

Angesichts dieses erheblichen Preisunterschieds sieht der GKV-Spitzenverband derzeit keine Möglichkeit, die Kosten für Apretude im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung zu übernehmen. Dennoch sollte berücksichtigt werden, dass – analog zur Entscheidung Spaniens und zur Einführung der Kostenübernahme der oralen PrEP im Jahr 2019 – eine gezielte und bedarfsgerechte Verteilung der Ressourcen im Gesundheitssystem ein wichtiger Baustein einer wirksamen Präventionsstrategie ist.

Quellen: PrEP injizierbar ist jetzt in Spanien erhältlich.  Apretude | European Medicines Agency (EMA)  https://magazin.hiv/magazin/hiv-prophylaxe-die-zukunft-von-prep-und-co/  https://www.aidshilfe.de/de/hiv-prep

 

 

 


HIV in Russland – Ausbreitung des Virus unter Soldaten

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Erstellt: 01. Oktober 2026

Im europaweiten Vergleich hat Russland mit rund einer Million Infizierten die höchste Infektionsrate mit dem HI-Virus. Die Zahl an infizierten Menschen im Land steigt immer weiter an. Allein im Jahr 2024 wurden laut dem russischen Gesundheitsministerium knapp 50.000 Neuinfektionen gemeldet.

Diese Zahlen sind zum einen auf die Heroinkrise in den 90er Jahren zurückzuführen, in der Drogenabhängige vom Gesundheitssystem vernachlässigt wurden, auf die aktuelle Situation an der Front des Ukraine-Krieges und auf den politischen Umgang mit HIV-Infektionen.

Deutlicher Anstieg im Kriegsgebiet
Da immer mehr Soldaten gebraucht werden, wurden auch zehntausende Häftlinge rekrutiert. Einige von ihnen sind HIV-positiv. Das liegt an der hohen Rate an Insassen, die infolge der Heroinkrise aufgrund von Drogenbesitzes inhaftiert worden sind – sie machen etwa ein Drittel aller Häftlinge in Russland aus. Die Rekrutierung von HIV-positiven Menschen ist in Russland eigentlich nicht vorgesehen, jedoch wird aufgrund des hohen Personalbedarfs oft nicht genau hingeschaut.

Hinzu kommt, dass manche Betroffene noch nichts von ihrer Infektion wissen oder sie bei der Rekrutierung bewusst verschweigen, um als Soldat Geld verdienen zu können.

An der Front besteht ein hohes Risiko für Übertragungen: durch Bluttransfusionen, unzureichende Hygiene in den Feldlazaretten oder durch die Wiederverwendung von Spritzen, Kathetern und OP-Besteck. Zudem kommt es auch im Kriegsgebiet zu Drogenkonsum oder ungeschütztem Geschlechtsverkehr, wodurch das Virus ebenfalls übertragen werden kann.

Diese Entwicklungen haben zur Folge, dass die Anzahl der infizierten Soldaten laut russischen Ärzten seit Kriegsbeginn massiv (Berichten zufolge um das 40-fache) gestiegen ist.

Die Rückkehr dieser Soldaten bei Kriegsende wird das ohnehin überlastete Gesundheitssystem in Russland vor zusätzliche Herausforderungen stellen.

Überforderung des Gesundheitssystems
Schon jetzt kann das russische Gesundheitssystem die hohe Infektionsrate kaum abfangen. Es wird seit mehreren Jahren von Engpässen bei HIV-Tests und Medikamenten berichtet. Zudem müssen Hilfswerke für HIV-Prävention aus finanziellen Gründen schließen. Besonders in Gefängnissen kommt es häufig zu Therapieabbrüchen, weil Medikamente fehlen. Für Infizierte sind nicht nur die Medikamente, sondern auch regelmäßige Tests zur Kontrolle der Viruslast überlebenswichtig.

Stigmatisierung und Diskriminierung erschweren die HIV-Bekämpfung
Die kürzliche Erhöhung des Budgets für Behandlung und Prävention durch die Regierung gilt als unzureichend und eher symbolisch. Gleichzeitig werden finanzielle Mittel aus dem Ausland verboten. Viele internationale Organisationen, wie die Elton John AIDS Foundation, mussten das Land verlassen. Sie wurden von der Regierung – beispielsweise unter dem Vorwand der „Propaganda nicht-traditioneller sexueller Beziehungen“ – als „unerwünschte Organisationen“ oder „ausländische Agenten“ eingestuft.

Hinzu kommt, dass der Zugang zum Gesundheitssystem für viele Betroffene wegen des hohen Maßes an gesellschaftlicher Stigmatisierung stark erschwert ist. Viele Erkrankte berichten von regelrechten Verhören durch medizinisches Personal, bei denen sie gedrängt werden offenzulegen, wie sie sich infiziert haben. Einige Menschen suchen daher trotz eines positiven Testergebnisses bewusst keinen Arzt auf.

Dabei widersprechen die tatsächlichen Zahlen den gesellschaftlichen Vorurteilen in Russland deutlich: Laut offiziellen Statistiken wurden 81 % der Neuinfektionen im Land durch heterosexuelle Kontakte übertragen, 14 % durch Drogenkonsum und nur 4 % durch homosexuelle Kontakte.

Die Kombination aus Krieg, Medikamentenmangel und gesellschaftlicher Stigmatisierung droht die HIV-Krise in Russland in den kommenden Jahren weiter drastisch zu verschärfen.

Quellen: Jo Angerer, Immer mehr HIV-Infektionen in Russland – das steckt dahinter [Internet]. 19.01.2026 [zitiert: 19.06.26]. Verfügbar unter: Calum MacKenzie, HIV breitet sich unter russischen Soldaten aus [Internet]. 14.04.2026 [zitiert: 19.06.26]. Verfügbar unter:

 

 

 


 

HIV-Therapie im Wandel: Was aktuelle Studien zu langwirksamen und oralen Therapien zeigen

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Erstellt: 01. Oktober 2026

Die HIV-Therapie hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. Aus einer Behandlung mit täglich mehreren Tabletten sind zunehmend individuell anpassbare Therapien geworden. Dazu gehören neben Kombinationstabletten auch langwirksame Injektionen, die je nach Behandlungsschema nur alle ein bis zwei Monate verabreicht werden müssen.

Welche Vorteile diese Behandlungsformen bieten und worauf Patient:innen achten sollten, zeigen aktuelle Studiendaten, die unter anderem auf der internationalen HIV-Fachtagung CROI 2026 vorgestellt wurden.

Ziel jeder antiretroviralen Therapie (ART) ist es, die Vermehrung des HI-Virus dauerhaft zu unterdrücken. Gemessen wird dies anhand der Viruslast, also der Menge an HIV-RNA im Blut. In vielen Studien spricht man von virologischer Suppression, wenn sie unter der Nachweisgrenze von 50 RNA-Kopien/ml liegt.

Neben der täglichen Einnahme von Tabletten steht inzwischen auch eine langwirksame Kombination aus den Wirkstoffen Cabotegravir und Rilpivirin zur Verfügung. Cabotegravir ist unter dem Handelsnamen Vocabria®, Rilpivirin als Rekambys® erhältlich. Beide Wirkstoffe werden als Injektion verabreicht; je nach Behandlungsschema erfolgen die Injektionen monatlich oder alle zwei Monate.
Die beiden Wirkstoffe greifen an unterschiedlichen Stellen in den Vermehrungszyklus des Virus ein: Rilpivirin hemmt die Reverse Transkriptase, Cabotegravir die virale Integrase. Dadurch wird die Virusvermehrung an zwei verschiedenen Stellen unterbrochen.

Die Kombination ist für Menschen mit HIV zugelassen, deren Viruslast unter einer stabilen antiretroviralen Therapie bereits unter 50 Kopien/ml liegt. Voraussetzung ist unter anderem, dass keine relevante Resistenz gegen die Wirkstoffklassen vorliegt und kein entsprechendes virologisches Versagen in der Vorgeschichte bekannt ist.

Eine wichtige Frage ist, wie gut die langwirksame Therapie im Alltag angenommen wird. Hinweise darauf liefert die VOLITION-Studie (2026). Teilnehmende, die zuvor noch keine HIV-Therapie erhalten hatten, starteten zunächst mit einer Tablettentherapie aus Dolutegravir und Lamivudin. Nach erfolgreicher Unterdrückung der Virusvermehrung konnten sie selbst entscheiden, ob sie auf Cabotegravir/Rilpivirin-Injektionen wechseln wollten. Das Interesse war hoch: 85 % derjenigen, die für einen Wechsel infrage kamen, entschieden sich dafür. Nach elf Monaten hielten 88 % der gewechselten Personen die Viruslast weiterhin unter 50 HIV-RNA-Kopien/ml. Die Behandlung wurde insgesamt gut vertragen und die Zufriedenheit mit der Therapie nahm nach dem Wechsel zu.

Für manche Menschen ist eine tägliche Tabletteneinnahme schwierig. Gründe können ein unregelmäßiger Alltag, psychische Belastungen, Stigmatisierung oder andere persönliche Faktoren sein. Für Menschen, denen die regelmäßige Einnahme schwerfällt, sind deshalb die Ergebnisse der LATITUDE-Studie (2026) interessant. Die Teilnehmenden wurden zunächst dabei unterstützt, unter einer oralen Therapie eine Viruslast unter 200 Kopien/ml zu erreichen. Anschließend wurden sie entweder auf eine monatliche Therapie mit Cabotegravir/Rilpivirin umgestellt oder weiter oral behandelt.

Während der Studie trat ein Regimeversagen – definiert als virologisches Versagen oder dauerhafter Therapieabbruch – unter der monatlichen Injektionstherapie seltener auf als unter der oralen Therapie (22,8 gegenüber 41,2 %). Gleichzeitig waren Reaktionen an der Injektionsstelle häufig und traten bei rund 60 % der Teilnehmenden an der Injektionsstelle auf.

Des Weiteren muss bei der Injektionstherapie beachtet werden, dass wenn die Therapie umgestellt wird, der Wirkstoff nicht direkt aus dem Körper verschwindet, sondern die Umstellung auf eine orale Alternative ärztlich geplant werden muss. Aktuell eignet sich die Injektionstherapie nicht für Menschen, die bestimmte Antiepileptika, Antibiotika oder immunsupprimierende Medikamente nehmen. Auch müssen bereits bestehende Resistenzen und Therapieversuche beachtet werden.

Daher gibt es neben den langwirksame Injektionen auch noch andere Therapieoptionen. Auch Zweifachtherapien in Tablettenform können die Virusvermehrung zuverlässig unterdrücken. Ein Beispiel ist Dovato®, eine Kombination aus Dolutegravir und Lamivudin. Dolutegravir hemmt die Integrase, Lamivudin die Reverse Transkriptase.

In den Studien GEMINI I und II (2019/2020) wurde Dolutegravir/Lamivudin bei therapienaiven Patient:innen mit einer Dreifachkombination aus Dolutegravir, Tenofovirdisoproxilfumarat und Emtricitabin verglichen. Die Unterschiede in der Virussuppression waren nicht signifikant, sodass die Zweierkombination der Dreierkombination nicht unterlegen ist.

Die aktuellen Studien machen vor allem deutlich: HIV-Therapie wird zunehmend individueller. Für manche Menschen ist die tägliche Tablette unkompliziert und gut in den Alltag integrierbar. Andere empfinden es als Entlastung, die Wirkstoffe nur alle ein oder zwei Monate injiziert zu bekommen. Wieder andere profitieren von einer gut untersuchten Zweifachtherapie wie Dolutegravir/Lamivudin.

Entscheidend ist deshalb nicht allein, welches Medikament besonders wirksam ist. Ebenso wichtig sind Alltag, persönliche Bedürfnisse, Begleiterkrankungen, mögliche Resistenzen und die bisherige Therapiegeschichte. Bei langwirksamen Injektionen kommt ein weiterer Punkt hinzu: Die vereinbarten Behandlungstermine müssen zuverlässig eingehalten werden. Auch regelmäßige Kontrollen, insbesondere der Viruslast, bleiben wichtig.

Eine Umstellung der HIV-Therapie sollte deshalb immer gemeinsam mit der behandelnden HIV-Schwerpunktpraxis erfolgen. Die passende Therapie ist diejenige, die medizinisch geeignet ist und sich zugleich möglichst gut in das Leben der Patient:innen integrieren lässt.

Quellen:Croi 2026, Neue Daten zu Vocabria® (Cabotegravir), Rekambys®(Rilpivirin) und Dovato® (Dolutegravir); Ausgabe 2 2026, A. Warpakowski, infection &more; Infection & more, Langwirksame ART bei Virämie und Adhärenzproblemen, S. Scholten, Ausgabe 3 2026; HIV & more, Langswirksame ART, 2026; EMA: Fachinformationen zu Rekambys® und Vocabria®; VOLITION Study, Open Forum Infectious Diseases, 2026, DOI: 10.1093/ofid/ofag383; LATITUDE Study, New England Journal of Medicine, 2026, PMID: 41707171; GEMINI-1/-2, Clinical Infectious Diseases, 2020, DOI: 10.1093/cid/ciz1243

 

 


 

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