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Gemeinsames Positionspapier von
- Deutsche Aidshilfe
- Deutsche AIDS-Stiftung
- Deutsche AIDS-Gesellschaft e.V.
- Deutsche Arbeitsgemeinschaft HIV- und Hepatitis-kompetenter Apotheken e.V.
- Deutsche Arbeitsgemeinschaft ambulant tätiger Ärztinnen und Ärzte für Infektionskrankheiten und HIV-Medizin e.V.
- Gilead Sciences GmbH
- MSD Sharp & Dohme GmbH
- ViiV Healthcare GmbH
Dank gemeinsamer Anstrengungen ist die Versorgung von Menschen mit HIV in Deutschland bislang erfolgreich. Mit der 2016 beschlossenen Strategie „BIS 2030 – Bedarfsorientiert, Integriert, Sektorübergreifend“ hat die Bundesregierung einen klaren Fahrplan zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C sowie anderer sexuell übertragbarer Infektionen beschlossen.
Wir verfügen über das Wissen und die Instrumente, um HIV/Aids als Bedrohung für die öffentlichen Gesundheit zu beenden. Indes könnten wir eine Jahrhundertchance verspielen: Die Einstellung und Kürzung wichtiger Entwicklungsprogramme und internationaler Gesundheitsausgaben – zuletzt auch durch die Bundesregierung – gefährden die bisherigen Erfolge im Kampf gegen HIV. Auch die Überlegungen der UNO, UNAIDS vorzeitig bis Ende 2026 aufzulösen, gehen in die falsche Richtung.
Diese Entwicklungen auf globaler Ebene werden sich mittelbar auf die Lage der HIV-Prävention und -Versorgung in Deutschland auswirken. Mit einem Wiederanstieg der HIV-Infektionen weltweit werden die Herausforderungen auch hierzulande wachsen. Trotz großer Fortschritte bestehen auch bei uns weiterhin strukturelle Defizite, die durch eine angespannte Finanzsituation und den demografischen Wandel noch verschärft werden. Immer mehr Menschen mit HIV werden älter und zugleich dünnt die Versorgungslandschaft aus.
Für den Erfolg der HIV-Bekämpfung in Deutschland ist die 21. Legislaturperiode entscheidend.
Daher haben wir uns als breites Bündnis aus der Zivilgesellschaft, der Medizin, der Pharmazie und der Industrie zusammengeschlossen. Gemeinsam benennen wir zentrale Handlungsfelder, die die politische Agenda der kommenden vier Jahre und darüber hinaus prägen müssen.
WIR FORDERN
- die Rücknahme der Mittelkürzungen für den Globalen Fonds zur Bekämpfung von u. a. HIV und ein stärkeres internationales Engagement Deutschlands zur Sicherung niedrigschwelliger, communitybasierter HIV-Versorgungsstrukturen weltweit;
- eine umfassende Teststrategie mit flächendeckender, niedrigschwelliger Testinfrastruktur, insbesondere durch communitybasierte Angebote und Routinetestungen;
- die Sicherung und den Ausbau eines qualifizierten, flächendeckenden ART und PrEP-Versorgungsangebots – auch für Menschen ohne Krankenversicherung – inklusive erreichbarer HIV-Schwerpunktapotheken;
- die Sicherstellung des nationalen und regionalen Zugangs zu HIV-Innovationen (PrEP und Therapie) u. a. durch eine Reform des AMNOG-Verfahrens;
- eine systematische Nachwuchsförderung sowie Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung für HIV-spezialisierte Tätigkeiten in Medizin, Pharmazie, Pflege und Sozialarbeit;
- die Etablierung geriatrischer Kompetenz in der HIV-Medizin, um eine bedarfsgerechte Versorgung alternder Menschen sicherzustellen – in enger Zusammenarbeit mit communitybasierten Beratungsstellen;
- die Verankerung des Facharztes für Innere Medizin und Infektiologie in der ambulanten Versorgung, um die HIV- und Infektionsmedizin fachlich zu stärken;
- die Sicherung der zielgruppenspezifischen, lebensweisenakzeptierenden und ganzheitlichen HIV-Prävention sowie eine stärkere Aufmerksamkeit für Frauen, heterosexuelle Personen und Menschen ohne Krankenversicherung;
- bundesweite, niedrigschwellige Beratungs- und Versorgungsangebote für besonders vulnerable Gruppen sowie eine nachhaltige Finanzierung bestehender Beratungsstrukturen;
- breit angelegte Awareness-, Bildungs- und Fortbildungsprogramme – insbesondere für Schulen, das Gesundheitswesen und die Öffentlichkeit – um Wissenslücken zu schließen und Stigmatisierung abzubauen.
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Bisher zielt die Behandlung der chronischen Hepatitis B durch antivirale Medikamente wie Entecavir oder Tenofovir darauf ab, die Virusvermehrung zu kontrollieren und somit die Entstehung von Leberschäden zu verlangsamen. Eine Heilung ist oft allerdings nicht möglich. Neue Hoffnung macht der therapeutische Impfstoff TherVac B, an welchem seit 13 Jahren geforscht wird. Dieser befindet sich aktuell in einer klinischen Studie und könnte eine völlig neue Therapieoption darstellen.
Was weiß man bereits über diesen Impfstoff? Der entwickelte Impfstoff basiert auf dem Verständnis des Immunversagens, welches bei einer chronischen HBV-Infektion vorliegt. Hier unterdrücken die Virusproteine die Immunantwort des Körpers, sodass dieser nicht gegen die Viren ankommt und die Erkrankung bestehen bleibt. Durch den Impfstoff kann die Konzentration der Virusproteine gesenkt werden und die Immunzellen haben die Möglichkeit reaktiviert zu werden. Außerdem soll eine schützende Immunantwort gegen das Virus ausgelöst werden. Durch diese beiden Aspekte könnte das Immunsystem des Körpers das Virus bekämpfen. Der Impfstoff wurde so entwickelt, dass er über 95 % der weltweit vorkommenden HBV-Stämme abdeckt. Somit könnte er für eine sehr hohe Anzahl an chronisch Infizierten wirksam sein.
Mithilfe der bereits durchgeführten Phase-1a-Studie, bei welcher der Impfstoff an gesunden Freiwilligen getestet wird, konnte gezeigt werden, dass der Impfstoff sicher ist und wie gewünscht eine gezielte Immunantwort auslöst. Darauf folgt die Phase-1b/2a-Studie. Diese dient der Gewinnung weiterer Daten über Sicherheit und Verträglichkeit sowie erste Hinweise zu der Wirksamkeit bei einer akuter Infektion. In dieser Phase wird außerdem die optimale Impfdosis ermittelt. Hier wurde im Juni 2025 bereits der erste Patient im Rahmen der Studie mit dem Impfstoff behandelt.
Es bleibt spannend, ob der Impfstoff es durch die klinische Studie bis zur Zulassung schaffen wird.
Quelle: https://www.helmholtz-munich.de/newsroom/news/artikel/chronische-hepatitis-b-erster-patient-erhaelt-therapeutischen-impfstoff; https://www.msdmanuals.com/de/profi/erkrankungen-der-leber-der-gallenblase-und-der-gallenwege/hepatitis/hepatitis-b-chronische#Therapie_v21347650_de; https://www.thervacb.eu/de/projekt/;
https://www.dzif.de/de/thervacb-eine-therapeutische-impfung-gegen-hepatitis-b
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Wenn eine HIV-Infektion diagnostiziert wird, steht vor allem die antiretrovirale Therapie von Patient:Innen im Vordergrund. Diese ist heutzutage äußerst effektiv und kann bei frühzeitigem Therapiebeginn dafür sorgen, dass Betroffene eine nahezu normale Lebenserwartung haben. Neben der medikamentösen Therapie gerät allerdings leider oft die psychische Belastung in Vergessenheit. Die Diagnosestellung und die damit oft verbundene Stigmatisierung belastet Patient:Innen. Zu Beginn ist der Schock über das Testergebnis präsent und im Anschluss muss sich entschieden werden, wem von dieser Infektion erzählt wird. Es treten viele Sorgen und Fragen auf. Wie vertrage ich die Therapie? Wirken die Medikamente gut und helfen sie mir wirklich? Bin ich dann nicht mehr ansteckend? Als Anlaufstelle dienen hier lokale AIDS-Hilfen. Außerdem bietet das Pharmaunternehmen Janssen als Services ein interaktives Patientenportal MyMicroMacro.net sowie einen Patientenratgeber SEELE+ an. Dies kann eine ärztliche Beratung optimal ergänzen.
Es wurde beobachtet, dass HIV-positive Menschen leider deutlich häufiger als der Durchschnitt von Depressionen betroffen sind. Die Ursachen sind vielfältig. Oft ist es eine Kombination aus Stress, Einsamkeit, ständigem Grübeln und schwierigen sozialen sowie finanziellen Bedingungen. Erste Anzeichen können Selbstzweifel, Niedergeschlagenheit, Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle oder psychosomatische Symptome wie Ängste oder Schlafstörungen sein. Dies kann unter Umständen zu mangelnder Therapietreue führen, was dann wiederum eine erhöhte Viruslast zur Folge haben kann. Die Therapie ist gefährdet und Betroffene rutschen ggf. in eine Art Teufelskreis – Ziel ist es, dies zu vermeiden.
Es ist enorm wichtig, dass die mentale Gesundheit von Patient:Innen neben der medikamentösen Therapie ebenfalls adressiert wird. Depressionen oder Ängste können durch lang anhaltende und sehr belastende Situationen entstehen. Es sollte allerdings auch in Betracht gezogen werden, dass dies als Auswirkung einer HIV-Infektion oder als Nebenwirkung der medikamentösen Therapie auftreten kann. Daher kann es sinnvoll sein, sich in solchen Fällen an seinen behandelnden Arzt zu wenden und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Oft bieten Aidshilfen regelmäßige Termine für psychosoziale Beratungen an.
Quelle: https://www.hivandmore.de/leben-mit-hiv/Das-SeelenPlus-fuer-HIV-Patienten.shtml; https://www.aidshilfe.de/system/files/documents/MI-46-Depressionen_web.pdf; https://www.aidshilfe.de/system/files/documents/medInfo58_01.pdf